{"id":6887,"date":"2025-11-05T19:24:21","date_gmt":"2025-11-05T18:24:21","guid":{"rendered":"https:\/\/bacteria.de\/?post_type=insight&#038;p=6887"},"modified":"2025-11-05T19:32:28","modified_gmt":"2025-11-05T18:32:28","slug":"vererbung-durch-mikrobiom","status":"publish","type":"insight","link":"https:\/\/bacteria.de\/de\/insight\/vererbung-durch-mikrobiom\/","title":{"rendered":"Vererbung durch Mikrobiom"},"content":{"rendered":"\n<h1 class=\"wp-block-heading\">Vererbung durch Mikrobiom<\/h1>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>Verhaltensmerkmale werden meist nur auf Gene oder Erziehung zur\u00fcckgef\u00fchrt. Eine neue experimentelle Studie zeigt nun, dass auch die Zusammensetzung der Darmflora allein \u00fcber mehrere Generationen hinweg das Verhalten pr\u00e4gen und weitergeben kann und dies g\u00e4nzlich ohne genetische \u00c4nderungen.<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p>Mikroorganismen des Darmmikrobioms k\u00f6nnen zahlreiche Wirtsfunktionen beeinflussen, darunter auch das Verhalten. Schon l\u00e4nger wird vermutet, dass Unterschiede im Mikrobiom verschiedene Ph\u00e4notypen eines Wirts hervorbringen und so auch die Evolution mitpr\u00e4gen k\u00f6nnen. Unklar war bisher, ob sich Verhaltensmerkmale tats\u00e4chlich \u00fcber Generationen (!) vererben lassen.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Was wurde in der Studie gemacht?<\/h2>\n\n\n\n<p>Zun\u00e4chst wurden zwei wildabgeleitete Mauslinien verglichen, die sich deutlich in ihrer Laufaktivit\u00e4t unterschieden: Die einen M\u00e4use waren sehr aktiv, die anderen deutlich lauffauler. Kot\u00fcbertragungen zwischen den M\u00e4usen belegten, dass der jeweilige Verhaltensunterschied durch das Darmmikrobiom vermittelt wird: Empf\u00e4nger mit dem Mikrobiom des aktiveren Stamms legten signifikant mehr Strecke zur\u00fcck als jene mit der Darmflora des inaktiveren Stamms.<br>Anschlie\u00dfend f\u00fchrten die Forscher ein Selektions-Experiment durch. In vier aufeinanderfolgenden Runden wurde stets das Mikrobiom der jeweils inaktivsten Maus auf keimfreie Empf\u00e4nger \u00fcbertragen, um schrittweise eine niedrigere Aktivit\u00e4t auszulesen. Eine Kontrolllinie erhielt parallel in jeder Generation zuf\u00e4llig ausgew\u00e4hlte Spender. Tats\u00e4chlich nahm die Laufdistanz in der Selektionslinie \u00fcber die Generationen signifikant ab, w\u00e4hrend die Kontrolllinie ihr Ausgangsniveau beibehielt. Dies belegt, dass allein durch gerichtete Weitergabe der Darmflora eine nachhaltige Verhaltens\u00e4nderung induziert werden kann.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Was hat man im Mikrobiom beobachtet?<\/h2>\n\n\n\n<p>Eine deutliche Zunahme von Laktobazillen (Gattungen Lactobacillus und Limosilactobacillus) und eine Abnahme anderer Bakterien waren mit der geringeren Aktivit\u00e4t assoziiert.<br>Zudem stieg das bakterielle Tryptophan-Abbauprodukt Indol-3-milchs\u00e4ure (ILA) bei den \u201efaulen\u201c Mikrobiota an. ILA war positiv mit dem Anteil an Lactobacillus im Darm korreliert \u2013 was deren Rolle als ILA-Produzenten best\u00e4tigt.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Was bedeutet das? Warum war das wichtig?<\/h2>\n\n\n\n<p>Biologisch gesehen liefert die Arbeit den klaren Beleg daf\u00fcr, dass symbiotische Darmbakterien als nicht-genetischer Vererbungsfaktor f\u00fcr Verhaltensmerkmale fungieren k\u00f6nnen.<br>Die Darmflora erweitert somit den ph\u00e4notypischen Spielraum eines Wirts \u00fcber dessen eigenes Genom hinaus. Bestimmte Mikrobiom-Komponenten k\u00f6nnen unabh\u00e4ngig vom Wirtsgenotyp auf ein Verhalten selektiert werden und dieses \u00fcber Generationen stabil weitertragen.<br>Insbesondere Laktobazillen und ihr Tryptophan-Metabolit ILA erweisen sich hier als Vermittler an der Darm-Hirn-Schnittstelle. <\/p>\n\n\n\n<p>Hier geht es zu unserem <a href=\"https:\/\/bacteria.de\/webinar-darm-hirn-achse-anmeldung\/\">kostenlosen Webinar \u00fcber die Darm-Hirn-Achse<\/a>: So beeinflusst du deine innere Kommunikation<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Wie hat man den Kausalzusammenhang gepr\u00fcft?<\/h2>\n\n\n\n<p>Ein isolierter <em>Lactobacillus johnsonii<\/em>-Stamm wurde oral an M\u00e4use verf\u00fcttert. Dadurch sank deren Laufaktivit\u00e4t signifikant gegen\u00fcber Kontrolltieren. Die behandelten M\u00e4use liefen weniger und langsamer, bei unver\u00e4ndertem Fressverhalten und K\u00f6rpergewicht.<br>Ebenso f\u00fchrte die direkte Infusion von ILA in den Darm zu reduzierter Aktivit\u00e4t, ohne Einfluss auf Nahrungskonsum oder Gewicht.<br>Damit war bewiesen, dass die verminderte Aktivit\u00e4t unmittelbar durch das von Laktobazillen produzierte Metabolit ILA verursacht wird.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Das hei\u00dft in anderen Worten:<\/h2>\n\n\n\n<p>Verhaltensmerkmale k\u00f6nnen unabh\u00e4ngig vom Genom allein durch die Weitergabe des Darmmikrobioms weitergegeben werden.<br><strong>Verhalten kann vererbt werden. Nicht \u00fcber Gene, sondern \u00fcber das Mikrobiom!<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Aber wie kann ein Mikrobiom vererbt werden?<\/h2>\n\n\n\n<p>Zum Beispiel durch Geburt oder Pflegeverhalten: Beim Menschen und bei M\u00e4usen erfolgt die erste Besiedlung \u00fcber die Geburt, das Lecken\/K\u00fcssen der Neugeborenen, die Muttermilch und sp\u00e4ter &#8211; v.a. bei bei M\u00e4usen &#8211; durch Koprophagie (Aufnahme von Kotpartikeln).<br>Studien zeigen, dass bestimmte Bakterien \u00fcber viele Generationen hinweg stabil weitergegeben werden. Wenn ein Mikroorganismus seinem Wirt einen Vorteil verschafft, kann er zusammen mit diesem Wirtstypus weitervererbt und damit Teil der nat\u00fcrlichen Selektion werden.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Welche Auswirkungen k\u00f6nnte das eines Tages haben?<\/h2>\n\n\n\n<p>Langfristig er\u00f6ffnet diese Erkenntnis neue M\u00f6glichkeiten, gezielt gew\u00fcnschte Eigenschaften \u00fcber Mikrobiom-Manipulation zu f\u00f6rdern:<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Tierzucht<\/h3>\n\n\n\n<p>Verhaltens- und Leistungsmerkmale k\u00f6nnten gezielt optimiert werden, indem man statt auf genetische Selektion auf vorteilhafte Mikrobiota setzt.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Medizin<\/h3>\n\n\n\n<p>Bestimmte probiotische Bakterien oder deren Metabolite (wie ILA) k\u00f6nnten eines Tages genutzt werden, um Verhaltensauff\u00e4lligkeiten oder neurologische St\u00f6rungen zu beeinflussen.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Was lernen wir daraus?<\/h2>\n\n\n\n<p>Das Konzept hilft zu verstehen, wie Tiere sich ohne DNA-Mutation an neue Umweltbedingungen anpassen k\u00f6nnen:<br>Unter sich \u00e4nderndem Klima oder Lebensraum k\u00f6nnte die flexible Mitvererbung von Mikroben kurzfristig vorteilhafte Verhaltensanpassungen beg\u00fcnstigen.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Quelle: <\/h2>\n\n\n\n<p>Suzuki TA, Tanja A-S, Waters JL, Jakob D, Vu DL, Ballinger MA, Rienzi SCD, Chang H, Araujo IE de, Tyakht AV, Ley RE. 2025. Selection and transmission of the gut microbiome alone can shift mammalian behavior. Nat Commun 16:9482. <a href=\"https:\/\/doi.org\/10.1038\/s41467-025-65368-w\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Link zum Paper.<\/a> <\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-divi-layout\">[et_pb_section fb_built=&#8220;1&#8243; _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;][et_pb_row _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;][et_pb_column type=&#8220;4_4&#8243; _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;][dsm_text_divider header=&#8220;Das Wichtigste auf einem Blick&#8220; _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; header_level=&#8220;h2&#8243; header_font=&#8220;||||||||&#8220; header_text_color=&#8220;#2DACDC&#8220; max_width=&#8220;100%&#8220; custom_margin=&#8220;||24px|||&#8220; custom_padding=&#8220;||14px||false|false&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;][\/dsm_text_divider][et_pb_text module_class=&#8220;insight-box&#8220; _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; background_color=&#8220;rgba(45,172,220,0.15)&#8220; custom_padding=&#8220;20px|70px|20px|70px|false|false&#8220; custom_css_free_form=&#8220;||.insight-box {||  max-width: 720px;       \/* Breite begrenzen *\/||  margin-left: auto;      \/* zentriert *\/||  margin-right: auto;||  background: linear-gradient(180deg, rgba(45,172,220,0.08) 0%, rgba(45,172,220,0.14) 100%);||  border-radius: 18px;||  box-shadow: 0 8px 22px rgba(0,0,0,0.05);||  padding: 30px 38px;||}||||\/* Magazin-Stil f\u00fcr Insights \/ Flash *\/||.insight-box {||  background: linear-gradient(180deg, rgba(45,172,220,0.08) 0%, rgba(45,172,220,0.14) 100%);||  border-radius: 18px;||  box-shadow: 0 8px 22px rgba(0,0,0,0.05);||  padding: 30px 38px;||  position: relative;||}||.insight-box::before {||  content: %22%22;||  position: absolute;||  top: 0; left: 0; bottom: 0;||  width: 4px;||  border-radius: 18px 0 0 18px;||  background: linear-gradient(180deg, rgba(45,172,220,0.5) 0%, rgba(45,172,220,0.25) 100%);||}||.insight-box ol li,||.insight-box ul li { margin-bottom: 30px; }||.insight-box ol li:last-child,||.insight-box ul li:last-child { margin-bottom: 0; }||||||||&#8220; border_radii=&#8220;on|5px|5px|5px|5px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; box_shadow_horizontal=&#8220;1px&#8220; box_shadow_color=&#8220;rgba(10,6,6,0.2)&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;]<ol>\n<li>Durch rein mikrobiologische Selektion \u00fcber mehrere Wirt-Generationen konnte erstmals ein Verhaltensmerkmal (Laufaktivit\u00e4t) in M\u00e4usen gezielt ver\u00e4ndert werden und das ganz ohne genetische Eingriffe.<\/li>\n<li><span>Die Mikrobiom-Selektion f\u00fchrte zur Anreicherung von Laktobazillen im Darm; deren Tryptophan-Metabolit Indol-3-milchs\u00e4ure (ILA) korrelierte mit der verringerten Aktivit\u00e4t.<\/span><\/li>\n<li><span><\/span><span>Die Verabreichung eines isolierten <em>Lactobacillus johnsonii<\/em>-Stamms oder von ILA alleine gen\u00fcgte, um die Aktivit\u00e4t der M\u00e4use messbar zu senken.<\/span><\/li>\n<li><span><\/span><span>Die Studie belegt einen mikrobiomvermittelten Vererbungsweg f\u00fcr Verhaltensweisen als nicht-genetisches Evolutionsprinzip. <\/span><\/li>\n<li><span>Das birgt potenzielle Anwendungen in Tierzucht und Medizin.<\/span><\/li>\n<li><span><\/span><span>Verhalten kann vererbt werden. Nicht<\/span><span> \u00fcber Gene, sondern \u00fcber das Mikrobiom!<\/span><\/li>\n<\/ol>\n<p>&nbsp;<\/p>[\/et_pb_text][\/et_pb_column][\/et_pb_row][\/et_pb_section]<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Studie an M\u00e4usen zeigt, wie Verhalten unabh\u00e4ngig von den Genen \u00fcber das Mikrobiom vererbt werden kann.<\/p>\n","protected":false},"featured_media":6894,"template":"","meta":{"_et_pb_use_builder":"off","_et_pb_old_content":"<!-- wp:heading {\"level\":1} -->\n<h1 class=\"wp-block-heading\">Vererbung durch Mikrobiom<\/h1>\n<!-- \/wp:heading -->\n\n<!-- wp:quote -->\n<blockquote class=\"wp-block-quote\"><!-- wp:paragraph -->\n<p>Verhaltensmerkmale werden meist nur auf Gene oder Erziehung zur\u00fcckgef\u00fchrt. Eine neue experimentelle Studie zeigt nun, dass auch die Zusammensetzung der Darmflora allein \u00fcber mehrere Generationen hinweg das Verhalten pr\u00e4gen und weitergeben kann und dies g\u00e4nzlich ohne genetische \u00c4nderungen.<\/p>\n<!-- \/wp:paragraph --><\/blockquote>\n<!-- \/wp:quote -->\n\n<!-- wp:paragraph -->\n<p>Mikroorganismen des Darmmikrobioms k\u00f6nnen zahlreiche Wirtsfunktionen beeinflussen, darunter auch das Verhalten. Schon l\u00e4nger wird vermutet, dass Unterschiede im Mikrobiom verschiedene Ph\u00e4notypen eines Wirts hervorbringen und so auch die Evolution mitpr\u00e4gen k\u00f6nnen. 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In vier aufeinanderfolgenden Runden wurde stets das Mikrobiom der jeweils inaktivsten Maus auf keimfreie Empf\u00e4nger \u00fcbertragen, um schrittweise eine niedrigere Aktivit\u00e4t auszulesen. Eine Kontrolllinie erhielt parallel in jeder Generation zuf\u00e4llig ausgew\u00e4hlte Spender. Tats\u00e4chlich nahm die Laufdistanz in der Selektionslinie \u00fcber die Generationen signifikant ab, w\u00e4hrend die Kontrolllinie ihr Ausgangsniveau beibehielt. Dies belegt, dass allein durch gerichtete Weitergabe der Darmflora eine nachhaltige Verhaltens\u00e4nderung induziert werden kann.<\/p>\n<!-- \/wp:paragraph -->\n\n<!-- wp:paragraph -->\n<p><\/p>\n<!-- \/wp:paragraph -->\n\n<!-- wp:heading -->\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Was hat man im Mikrobiom beobachtet?<\/h2>\n<!-- \/wp:heading -->\n\n<!-- wp:paragraph -->\n<p>Eine deutliche Zunahme von Laktobazillen (Gattungen Lactobacillus und Limosilactobacillus) und eine Abnahme anderer Bakterien waren mit der geringeren Aktivit\u00e4t assoziiert.<br>Zudem stieg das bakterielle Tryptophan-Abbauprodukt Indol-3-milchs\u00e4ure (ILA) bei den \u201efaulen\u201c Mikrobiota an. ILA war positiv mit dem Anteil an Lactobacillus im Darm korreliert \u2013 was deren Rolle als ILA-Produzenten best\u00e4tigt.<\/p>\n<!-- \/wp:paragraph -->\n\n<!-- wp:paragraph -->\n<p><\/p>\n<!-- \/wp:paragraph -->\n\n<!-- wp:heading -->\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Was bedeutet das? Warum war das wichtig?<\/h2>\n<!-- \/wp:heading -->\n\n<!-- wp:paragraph -->\n<p>Biologisch gesehen liefert die Arbeit den klaren Beleg daf\u00fcr, dass symbiotische Darmbakterien als nicht-genetischer Vererbungsfaktor f\u00fcr Verhaltensmerkmale fungieren k\u00f6nnen.<br>Die Darmflora erweitert somit den ph\u00e4notypischen Spielraum eines Wirts \u00fcber dessen eigenes Genom hinaus. Bestimmte Mikrobiom-Komponenten k\u00f6nnen unabh\u00e4ngig vom Wirtsgenotyp auf ein Verhalten selektiert werden und dieses \u00fcber Generationen stabil weitertragen.<br>Insbesondere Laktobazillen und ihr Tryptophan-Metabolit ILA erweisen sich hier als Vermittler an der Darm-Hirn-Schnittstelle. <\/p>\n<!-- \/wp:paragraph -->\n\n<!-- wp:paragraph -->\n<p>Hier geht es zu unserem <a href=\"https:\/\/bacteria.de\/webinar-darm-hirn-achse-anmeldung\/\">kostenlosen Webinar \u00fcber die Darm-Hirn-Achse<\/a>: So beeinflusst du deine innere Kommunikation<\/p>\n<!-- \/wp:paragraph -->\n\n<!-- wp:paragraph -->\n<p><\/p>\n<!-- \/wp:paragraph -->\n\n<!-- wp:heading -->\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Wie hat man den Kausalzusammenhang gepr\u00fcft?<\/h2>\n<!-- \/wp:heading -->\n\n<!-- wp:paragraph -->\n<p>Ein isolierter <em>Lactobacillus johnsonii<\/em>-Stamm wurde oral an M\u00e4use verf\u00fcttert. Dadurch sank deren Laufaktivit\u00e4t signifikant gegen\u00fcber Kontrolltieren. Die behandelten M\u00e4use liefen weniger und langsamer, bei unver\u00e4ndertem Fressverhalten und K\u00f6rpergewicht.<br>Ebenso f\u00fchrte die direkte Infusion von ILA in den Darm zu reduzierter Aktivit\u00e4t, ohne Einfluss auf Nahrungskonsum oder Gewicht.<br>Damit war bewiesen, dass die verminderte Aktivit\u00e4t unmittelbar durch das von Laktobazillen produzierte Metabolit ILA verursacht wird.<\/p>\n<!-- \/wp:paragraph -->\n\n<!-- wp:paragraph -->\n<p><\/p>\n<!-- \/wp:paragraph -->\n\n<!-- wp:heading -->\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Das hei\u00dft in anderen Worten:<\/h2>\n<!-- \/wp:heading -->\n\n<!-- wp:paragraph -->\n<p>Verhaltensmerkmale k\u00f6nnen unabh\u00e4ngig vom Genom allein durch die Weitergabe des Darmmikrobioms weitergegeben werden.<br><strong>Verhalten kann vererbt werden. 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Wenn ein Mikroorganismus seinem Wirt einen Vorteil verschafft, kann er zusammen mit diesem Wirtstypus weitervererbt und damit Teil der nat\u00fcrlichen Selektion werden.<\/p>\n<!-- \/wp:paragraph -->\n\n<!-- wp:paragraph -->\n<p><\/p>\n<!-- \/wp:paragraph -->\n\n<!-- wp:heading -->\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Welche Auswirkungen k\u00f6nnte das eines Tages haben?<\/h2>\n<!-- \/wp:heading -->\n\n<!-- wp:paragraph -->\n<p>Langfristig er\u00f6ffnet diese Erkenntnis neue M\u00f6glichkeiten, gezielt gew\u00fcnschte Eigenschaften \u00fcber Mikrobiom-Manipulation zu f\u00f6rdern:<\/p>\n<!-- \/wp:paragraph -->\n\n<!-- wp:paragraph -->\n<p><\/p>\n<!-- \/wp:paragraph -->\n\n<!-- wp:heading {\"level\":3} -->\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Tierzucht<\/h3>\n<!-- \/wp:heading -->\n\n<!-- wp:paragraph -->\n<p>Verhaltens- und Leistungsmerkmale k\u00f6nnten gezielt optimiert werden, indem man statt auf genetische Selektion auf vorteilhafte Mikrobiota setzt.<\/p>\n<!-- \/wp:paragraph -->\n\n<!-- wp:heading {\"level\":3} -->\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Medizin<\/h3>\n<!-- \/wp:heading -->\n\n<!-- wp:paragraph -->\n<p>Bestimmte probiotische Bakterien oder deren Metabolite (wie ILA) k\u00f6nnten eines Tages genutzt werden, um Verhaltensauff\u00e4lligkeiten oder neurologische St\u00f6rungen zu beeinflussen.<\/p>\n<!-- \/wp:paragraph -->\n\n<!-- wp:paragraph -->\n<p><\/p>\n<!-- \/wp:paragraph -->\n\n<!-- wp:heading -->\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Was lernen wir daraus?<\/h2>\n<!-- \/wp:heading -->\n\n<!-- wp:paragraph -->\n<p>Das Konzept hilft zu verstehen, wie Tiere sich ohne DNA-Mutation an neue Umweltbedingungen anpassen k\u00f6nnen:<br>Unter sich \u00e4nderndem Klima oder Lebensraum k\u00f6nnte die flexible Mitvererbung von Mikroben kurzfristig vorteilhafte Verhaltensanpassungen beg\u00fcnstigen.<\/p>\n<!-- \/wp:paragraph -->\n\n<!-- wp:paragraph -->\n<p><\/p>\n<!-- \/wp:paragraph -->\n\n<!-- wp:heading -->\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Quelle: <\/h2>\n<!-- \/wp:heading -->\n\n<!-- wp:paragraph -->\n<p>Suzuki TA, Tanja A-S, Waters JL, Jakob D, Vu DL, Ballinger MA, Rienzi SCD, Chang H, Araujo IE de, Tyakht AV, Ley RE. 2025. Selection and transmission of the gut microbiome alone can shift mammalian behavior. Nat Commun 16:9482. <a href=\"https:\/\/doi.org\/10.1038\/s41467-025-65368-w\">Link zum Paper.<\/a> <\/p>\n<!-- \/wp:paragraph -->\n\n<!-- wp:divi\/layout -->\n<div class=\"wp-block-divi-layout\">[et_pb_section fb_built=\"1\" theme_builder_area=\"post_content\" _builder_version=\"4.27.4\" _module_preset=\"default\"][et_pb_row _builder_version=\"4.27.4\" _module_preset=\"default\" global_colors_info=\"{}\" theme_builder_area=\"post_content\"][et_pb_column type=\"4_4\" _builder_version=\"4.27.4\" _module_preset=\"default\" global_colors_info=\"{}\" theme_builder_area=\"post_content\"][dsm_text_divider header=\"Das Wichtigste auf einem Blick\" _builder_version=\"4.27.4\" _module_preset=\"default\" header_level=\"h2\" header_font=\"||||||||\" header_text_color=\"#2DACDC\" max_width=\"100%\" custom_margin=\"||24px|||\" custom_padding=\"||14px||false|false\" global_colors_info=\"{}\" theme_builder_area=\"post_content\"][\/dsm_text_divider][et_pb_text module_class=\"insight-box\" _builder_version=\"4.27.4\" _module_preset=\"default\" background_color=\"rgba(45,172,220,0.15)\" custom_padding=\"20px|70px|20px|70px|false|false\" hover_enabled=\"0\" custom_css_free_form=\"||.insight-box {||  max-width: 720px;       \/* Breite begrenzen *\/||  margin-left: auto;      \/* zentriert *\/||  margin-right: auto;||  background: linear-gradient(180deg, rgba(45,172,220,0.08) 0%, rgba(45,172,220,0.14) 100%);||  border-radius: 18px;||  box-shadow: 0 8px 22px rgba(0,0,0,0.05);||  padding: 30px 38px;||}||||\/* Magazin-Stil f\u00fcr Insights \/ Flash *\/||.insight-box {||  background: linear-gradient(180deg, rgba(45,172,220,0.08) 0%, rgba(45,172,220,0.14) 100%);||  border-radius: 18px;||  box-shadow: 0 8px 22px rgba(0,0,0,0.05);||  padding: 30px 38px;||  position: relative;||}||.insight-box::before {||  content: %22%22;||  position: absolute;||  top: 0; left: 0; bottom: 0;||  width: 4px;||  border-radius: 18px 0 0 18px;||  background: linear-gradient(180deg, rgba(45,172,220,0.5) 0%, rgba(45,172,220,0.25) 100%);||}||.insight-box ol li,||.insight-box ul li { margin-bottom: 30px; }||.insight-box ol li:last-child,||.insight-box ul li:last-child { margin-bottom: 0; }||||||||\" border_radii=\"on|5px|5px|5px|5px\" box_shadow_style=\"preset1\" box_shadow_horizontal=\"1px\" box_shadow_color=\"rgba(10,6,6,0.2)\" global_colors_info=\"{}\" theme_builder_area=\"post_content\" sticky_enabled=\"0\"]<ol>\n<li>Durch rein mikrobiologische Selektion \u00fcber mehrere Wirt-Generationen konnte erstmals ein Verhaltensmerkmal (Laufaktivit\u00e4t) in M\u00e4usen gezielt ver\u00e4ndert werden und das ganz ohne genetische Eingriffe.<\/li>\n<li><span>Die Mikrobiom-Selektion f\u00fchrte zur Anreicherung von Laktobazillen im Darm; deren Tryptophan-Metabolit Indol-3-milchs\u00e4ure (ILA) korrelierte mit der verringerten Aktivit\u00e4t.<\/span><\/li>\n<li><span><\/span><span>Die Verabreichung eines isolierten <em>Lactobacillus johnsonii<\/em>-Stamms oder von ILA alleine gen\u00fcgte, um die Aktivit\u00e4t der M\u00e4use messbar zu senken.<\/span><\/li>\n<li><span><\/span><span>Die Studie belegt einen mikrobiomvermittelten Vererbungsweg f\u00fcr Verhaltensweisen als nicht-genetisches Evolutionsprinzip. <\/span><\/li>\n<li><span>Das birgt potenzielle Anwendungen in Tierzucht und Medizin.<\/span><\/li>\n<li><span><\/span><span>Die Studie beweist: Verhalten kann vererbt werden \u2013 nicht<\/span><span>&nbsp;\u00fcber Gene, sondern \u00fcber das Mikrobiom.<\/span><\/li>\n<\/ol>\n<p>&nbsp;<\/p>[\/et_pb_text][\/et_pb_column][\/et_pb_row][\/et_pb_section]<\/div>\n<!-- \/wp:divi\/layout -->","_et_gb_content_width":"","footnotes":""},"insight-topic":[262],"class_list":["post-6887","insight","type-insight","status-publish","has-post-thumbnail","hentry","insight-topic-verhalten"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/bacteria.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/insight\/6887","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/bacteria.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/insight"}],"about":[{"href":"https:\/\/bacteria.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/insight"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/bacteria.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/insight\/6887\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/bacteria.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/6894"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/bacteria.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=6887"}],"wp:term":[{"taxonomy":"insight-topic","embeddable":true,"href":"https:\/\/bacteria.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/insight-topic?post=6887"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}